Entstehung von Subjektivität durch die Schrift

Entstehung der selbstbewussten Subjektivität durch die Schrift (Subjekt als "Medieneffekt"): Die "Geburt der individuellen Seele aus dem Geist der phonetischen Alphabetschrift" (GdM 103, vgl. A. und J. Assmann, vgl. G.W.F. Hegel). Selbstabgrenzung des Individuums auf der Basis des Festgeschriebenen.

"Breakdown of the Bicameral Mind" als Folge der Schriftenwicklung?

Schrift als Mittel zu einer neuartigen Verbindung der beiden Gehirnhälften (der sinnlich-wahrnehmenden und der abstrahierenden). J. Jaynes: The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind, 1976.

Das Stimmenhören der Homerische Helden und das Vorhandensein eines dritten Verbmodus im Griechischen ("Medium"!) wird auf einen Zustand zurückgeführt, in dem die beiden Gehirnhälften noch nicht ausreichend koordiniert waren. "Die Helden der Ilias hatten überhaupt kein Selbst." (Jaynes). Überbrückung des "Chorismus" zwischen der Reinheit der geistigen Laute und den "schwarzen Linien". "Das Medium Schrift überbrückt Abgründe." (GdM 106). Koordination von Interaktion zwischen Alter und Ego. Konstitutierung der Homogenität des Ego.

G.F.W. Hegel

Es folgt noch aus dem Gesagten, daß Lesen- und Schreibenlernen einer Buchstabenschrift für ein nicht genug geschätztes, unendliches Bildungsmittel zu achten ist, indem es den Geist von dem sinnlich Konkreten zu der Aufmerksamkeit auf das Formellere, das tönende Wort und dessen abstrakte Elemente, bringt und den Boden der Innerlichkeit im Subjekte zu begründen und rein zu machen ein Wesentliches tut

Quelle