Babel und die Ursprache

Die Vorstellung einer allen Menschen gemeinsamen Ursprache durchzieht die philosophische Diskussion des Abendlandes. Das gewaltige Bild dafür liefert der Mythos vom "Turmbau zu Babel". Dieser will die zwei Sphären den Göttlichen und des Menschlichen vereinigen um die "Kommunion mit Gott" zu erreichen. Die schrankenlose Kommunikation wäre eine Grundlage für die erstrebte Göttlichkeit des Menschen, es wäre die Realisierung des "medialen Pfingstereignisses": jeder kann mit jedem kommunizieren. Doch der Wille zur Einheit erzeugt die Vielheit, denn Gott stört die Koordination der Handlungen durch eine Medienstörung: es ist der erste "Medienkrieg" der Geschichte.

"Es hatte aber alle Welt einerley zungen vnd sprache. Da sie nu zogen gen Morgen, funden sie ein eben Land, im lande Sinear, vnd woneten daselbs. Vnd sprachen vnternander, Wolauff, laßt vns Ziegel streichen vnd brennen, Vnd namen ziegel zu stein, vnd thon zu kalck, vnd sprachen, Wolauff, Lasst vns eine Stadt vnd Thurn bawen, des spitze bis an den Himel reiche, das wir vns einen namen machen, Denn wir werden vielleicht zerstrewet in alle Lender. Da fur der Herr ernider, das er sehe die Stad vnd Thurn, die die Menschenkinder baweten. Vnd der Herr sprach, Sihe, Es ist einerley Volck vnd einerley Sprach vnter jnen allen, vnd haben das angefangen zu thun, sie werden nicht ablassen von allem das sie furgenomen haben zu thun. Wolauff, laßt vns ernider faren, vnd jre Sprache da selbs verwirren, das keiner des andern sprache verneme. Also zerstrewet sie der Herr von dannen in alle Lender, das sie musten auffhören die Stadt zu bawen, Da her heißt jr name Babel, das der Herr daselbs verwirret hatte aller Lender sprache, vnd sie zerstrewet von dannen in alle Lender." (Genesis 11, Übersetzung durch M. Luther)

 

Der Mythos der Universalbibliothek

Die Unmöglichkeit der bibliotheca universalis: Das "Unvollständigkeitstheorem der Buchwelt" und die Unmöglichkeit einer "bibliotheca universalis": Fromme mögen glauben, dass das "Buch der Welt" und das "Buch der Bücher" denselben Autor haben, doch das macht sie nicht deckungsgleich und kontingent. Es bedarf also weiterer Schriften, die Korrespondenzen oder Nicht-Korrespondenzen zwischen den beiden Büchern erklären, und so weiter ad infinitum.


Die Bibliothek von Alexandria: Gegründet Ende des vierten / Anfang des dritten Jahrhunderts BC. Sie umfasste ca. 400.000 bis 700.000 Schriftrollen, damit das bedeutendste Informationszentrum seiner Zeit. Gut aufgeschlossen durch den Grammatiker Kalimachos von Kyrene mit Hilfe von 120 "Pinakes" (= kommentierte Bestandsverzeichnisse). Erstmals zerstört durch die Truppen des Kaisers Aurelianuns (272), vielleicht auch als ein Reflex gegen den "Alexandrismus". Weiters die Anekdote von Kalif Omar aus dem Jahr 640, der das Dilemma formuliert: Wenn die Schriften in der Bibliothek mit dem Koran in Widerspruch stehen gehören sie vernichtet; wenn dies nicht der Fall ist, sind sie überflüssig und verfallen dem gleichen Urteil.


Erste öffentliche Bibliothek: Bibliotheca Medicea Laurenziana (1444 durch Cosimo de Medici).