Die Bilder

Die Bilder entstehen nach der Sprache. Lascaux (-17.000 bis -18.000). Das Bild konkurriert mit dem Wort. Haben die eindrucksvollen Bilder etwas mit der mangelnden sprachlichen Begriffsbildung zu tun?

Medien thematisieren Abwesenheitsprobleme, und das verstörendste ist der Tod. Bilder machen lebendig und sind Zeichen für den abwesenden Toten (soma vs sema). Sema = Kultzeichen, Grab! Bildzauber: Beherrschbarkeit des dargestellten Objekts („in effigie töten“).

Erste große Medienkritik bei Plato (Politeia): Der Künstler ist „der dritte von der Wahrheit abstehende Verfertiger des Schattenbildes“. Von der Idee > zu den Dingen > zum künstlerischen Abbild. „Medien entfernen und von der 'eigentlichen Wirklichkeit' und von den hohen oder tiefen Dimensionen der Wahrheit sowieso.“ (GdM 51) Die bildende Kunst hatte daher in den artes liberales keinen Platz, sie ist bloße techné.

Das Bildverbot („Ikonoklasmus“) ist ein radikale Ausprägung der Medienkritik. Kern des Verbots ist es, sich kein Bild von Gott machen zu dürfen, also die Umkehrung des „Abbildes Gottes“ im Menschen. Menschen sind die Ebenbilder Gottes, von dem es kein Ebenbild geben darf. Im Islamischen Glauben inkludiert das Bildverbot auch den Propheten. Das „Si comprehendis, non es Deus“ (Augustinus) kann auch als Argument gegen die Bilderstürmer verwendet werden.

"Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!"

Bildverbote gibt es verstärkt im Judentum und bei den Muslimen: Wenn Gott den Menschen gegenüber tritt, muss der Mensch sein Angesicht verhüllen, sonst ist er des Todes. Interessanterweise ist aber gerade die Ausgabe der Gebote (und damit auch des Gebots „Du sollst Dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen ...“) an Moses in einer Face-to-Face-Kommunikation am Berge Sinai passiert („Der Herr redet mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie man mit einem Freunde redet“). Gott hat ein entspannteres Verhältnis zum Wort und auch zur Schrift (so hat er die Schrifttafeln selbst gemacht: „Und Gott hat sie selbs gemacht und selber die Schrift darin gegraben“).

Sich ein Bild von Gott machen... schließt einen „Selbstermächtigungsgestus“ irdisch-endlicher Wesen ein. Bilder tendieren auch zum Öbszönen, Antiautoritären, Profanen (weil Sichtbaren). Dazu kommt die Illiteralität breiter Bevölkerungskreise bis weit in die Neuzeit sowie die Bilderarmut dieser Zeiten (im Gegensatz zu unserer Zeit). „Abbilder tendieren gerade dann, wenn sie getreu zu sein vorgeben, dazu, antiautoritär zu sein.“ (GdM 58) Das Verhältnis von Wort zu Bild: das von Sinn zu den Sinnen. Primat der Schrift in der katholischen Theologie: „Heilig sind Bilder nie und nimmer[...]. Heilig kann, wenn überhaupt, nur ein Medium sein: die Schrift.“ (GdM 61)

Das Christentum hatte eher Verständnis für den Mediencharakter der Religion entwickelt. („Die frohe Botschaft“). Christus tritt "mediengerecht" als „Mittler“ auf, ja er ist selbst die fleischgewordene Botschaft – ihn konnte man auch darstellen (und damit „personalisieren“). Vom frühen Medienverständnis des Christentum zeugt auch die Briefkultur der Apostel (v.a. Paulus). Später wurde Gutenberg „der Medienfreak“ der christlichen Gutenberg-Galaxis. Deren erstes massenwirksames Großprodukt bildete die Bibel (nach der Vorlage der Vulgata).

 

Biblia pauperum in Arbanasi

Fesken und Malereien in der Kirche Roshdestwo Christowo (Geburtskirche) 14/15/16 Jh. In der Zeit des Zweiten Bulgarischen Reichs war Veliko Tarnovo kulturelles, geistliches und politisches Zentrum in Südosteuropa.

Oben: Benennung der Tiere durch Adam, unten die Vertreibung aus dem Paradies.

Zu den Quellenangaben

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