Bemerkungen zum Thema Film

Neue Medien : Neue Erkenntnisse: Entwicklung des Films setzt neue Erkenntnisse menschliche Wahrnehmung und ihre Bedingtheiten frei - und beruht auch auf ihnen. So etwa auf

  • Trägheit der Retina (Frequenz: ca. 10 Bilder / Sek.) – der Film setzt ein Kontinuum (durch 16 bzw. später 24 Bilder / Sek.)
  • Entdeckung der Flüchtigkeit der Augenbilder

Film / Kino ist ein Massenmedium im handgreiflichen Sinn des Wortes. Filmrezeption ist im Gegensatz zu Lesen eine kollektive Rezeptionsform, das Kinopublikum gilt als ein Inbegriff von "Masse". Lesen erfordert massive persönliche Inputs, denn wer liest, muß arbeiten. Das Kino ist "sinnlich", von großer Unmittelbarkeit diesseits der Schriftzeichen, es spricht direkt die Sinne an, die Rezeption erfolgt leichter automatisiert.

Das Kino ist ein Sozialisierungsinstrument par excellance, es prägt Moden, Lebensstile, Affekte und liefert ästethische Muster für Wahrnehmung und Verhalten. Es versteht sich in diesem Sinn auch als ein Mittel zur Beeinflussung der Massen. Besonderheiten des Mediums Film sind beispielsweise:

  • Hoher Kapitaleinsatz und aufwändige Technik
  • mehrere Urheber (kollektives Unternehmen)
  • Förderung des Starprinzips
  • Erste synästethische Kunst und Medientechnik (Ausnahme: Theater)
  • Erstes Massenmedium, welches größere Menschenmengen zum selben Zeitpunkt am selben Ort zum selben Zweck versammelt. (Nähe zum Theater)
  • Der Film ist „realistisch“: Er speichert in Echtzeit optisch und autitiv, was sich in einem bestimmten Zeitraum in einem bestimmten Ausschnitt des Raumes ereignet. (Zumindest für einige Zeit eine Art Konstante)
  • Der Film ist „anti-metaphysisch“ (?), er fokussiert und setzt ins Bild, was der Fall ist (inklusive Inszenierungen und Konstruktionen). Die Medientechnologie des 19. und 20. Jhs hat die Metaphysik und ihre Sinnfixierung überwunden.
  • Der Film ist realistisch und kann zugleich die Konstruktion, Manipulation, Inszenierung der Realität deutlich machen. Die Konstruktion der Realität ist eins mit der Realität der Konstruktion (GdM 312). The provocation I offer is hat we haven’t seen cinema yet. (Peter Greenaway). Will heißen: Wir sehen im Kino Häuser, Straßen, Gesichter, Gegenstände. Wir sehen nicht, was Kino eigentlich ist, dessen Logik, dessen Technik, dessen Verfahren.

Stichwort Medienkonvergenz: Beim Film ist (das erste Mal?) ein Konvergenzphänomen verschiedener Medien zu beobachten (es gab schon Fotographie, Tonaufzeichnungen, Ideen zur Farbfotographie, Projektionsgeräte, diese Entwicklungen absorbiert der Film für sich).